Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht

Mit der diesjährigen Filmreihe wird im Besonderen an das oppositionelle Leben in der ehemaligen sowjetischen Besatzungszone und den anderen kommunistischen Diktaturen des Ostblocks erinnert. Traditionen , Religion und individuelles Erleben schufen eine jeweils spezielle Geschichte und eine besondere Prägung für das gemeinsame Ziel einer anderen , freieren Gesellschaft.

Nicht nur die Dokumentation der Ereignisse 1953, um den Prager Frühling, Ungarn 1956, der Solidarnosc und  der Charta77 ist Inhalt der ausgewählten Filme, sondern außergewöhnliche Lebensgeschichten, die mit Mut und Zivilcourage bis in die heutige Zeit wirken.


Besonders freuen wir uns, dass wir  Roland Jahn, Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR, und Pavel Kohout (Schriftsteller, Theaterregisseur und Drehbuchautor) als Gäste neben einigen Regisseuren/innen der Filme begrüßen können.

Wir ehren mit dieser Filmreihe auch Wislawa Szymborska, der vor kurzen verstorbenen Nobelpreisträgerin aus Polen, der unverführbare und klare Dichterin, welche mit Ihrer Lyrik Einmaliges geschaffen hat.
Wir ehren die im Dezember 2011 verstorbene Dichterin Christa Wolf, deren Gespräche und Auseinandersetzungen mit dem Alltag und ihrem Leben in der Gesellschaft zum Interessantesten gehört, was ein moralischer Diskurs in der
deutschen Literatur zu bieten hat.

Unserem Publikum erwarten viele interessante Geschichten, die auch noch bis ins Heute wirken und beispielhaft Aufschlüsse über Repressalien und deren Mechanismen für menschliches Verhalten beschreiben.

 

 

 

Mit freundlicher Unterstützung der Stiftung Aufarbeitung.

 

 

Zeitschleifen - Im Dialog mit Christa Wolf

DDR 1990 | 101 min

Regie: Karlheinz Mund

Drehbuch: Karlheinz Mund, Daniela Dahn

 

"Zeitschleifen" ist ein außergewöhnlicher Film, in dem die prominenteste und gleichzeitig umstrittenste deutschsprachige Schriftstellerin, die sich seit der  Kampagne um sie fast ganz aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat, in einem Exklusiv-Interview Auskunft gibt über ihre Motive, Irrtümer, Hoffnungen und ?ngste.In diesem gleichzeitig sehr persönlichen Gespräch mit der zur nächsten Generation gehörenden Autorin Daniela Dahn geht es u.a. darum, wie und warum Christa Wolf in der DDR gelebt und gearbeitet hat, angefeindet und verehrt zugleich.

Es geht um die Brüche der jüngeren Geschichte und damit in der eigenen Biografie, um Konfliktfähigkeit, Widerstandsbewußtsein, Harmonie und Desillusionierungen. ... denn wir können uns drehen und wenden wie wir wollen; wir können uns kopfstellen: freundlich sein, das können wir nicht. Wir haben die Geschenke falscher Götter angenommen. Und wir alle, jeder einzelne von uns, haben die falschen Speisen von den falschen Tellern mitgegessen.

Was bleibt, sind in jedem Fall die Erfahrungen von 40 Jahren DDR, die zu verdrängen, zu beschönigen oder zu dämonisieren verhängnisvoll wäre, die selbstkritisch und selbstbewußt aufzuarbeiten die Intellektuellen als ihre Aufgabe annehmen müssen. Für eine Schriftstellerin ist das Fazit des bisherigen Lebens natürlich weitgehend das vorliegende Werk. 

(Quelle: Ankündigung des Goethe-Institutes Stockholm zur Filmvorführung im Oktober 1992)

 

05.05. 10.00 KUNSTBAUERKINO 2, GROSSHENNERSDORF

zu Gast Daniela Dahn

 

 

Vaterlandsverräter

Paul Gratzik

Deutschland 2011 | 97 min

Regie: Annekatrin Hendel

 

Der größte Feind im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant. Diesen Spruch seiner Mutter hatte der Schriftsteller Paul Gratzik, aus einfachen Verhältnissen in den 1970ern zu einem gefeierten Vertreter der DDR-Literaturszene emporgestiegen, immer im Ohr. Trotzdem war er 20 Jahre lang Inoffizieller Mitarbeiter des DDR-Staatssicherheitsdienstes, schrieb Berichte über Freunde und Förderer wie Heiner Müller, Steffie Spira und Ernstgeorg Hering. Anfang der 1980er stieg Gratzik aus, enttarnte sich selbst und wurde seinerseits zum Objekt der Stasi-Beobachtung. VATERLANDSVERR?TER ist das filmische Porträt eines vom Kommunismus überzeugten Mannes "mit lautem Wesen", dessen Leben ein Zickzack zwischen den Extremen war. Eine Geschichte, wie sie so, mehr als 20 Jahre nach dem Ende der DDR, noch nicht erzählt worden ist.  

zu Gast: Annekatrin Hendel, Roland Jahn (BStU), Pavel Kohout

 

03.05. 20.00  KRONENKINO, ZITTAU

 

 

Wyssozki - Danke, für mein Leben

 

Russland 2011 | 137 min | dt Fassung

Regie: Piotr Buslow


mit: Oksana Akinshina, Andrej Smoljakow , Ivan Urgant

 

In den Siebzigerjahren war Vladimir Wyssozki ein gefeierter Musiker in der UdSSR. Doch obwohl so viele Menschen seine Musik hörten und liebten, waren dem Regime seine gesellschaftskritischen Texte ein Dorn im Auge, prangerte er doch Missstände wie Beschaffungskriminalität oder Drogenkonsum an. Also mussten seine Konzerte inoffiziell stattfinden. Wyssozki, der selbst ein Drogenproblem hatte, will gerade seine letzte Tournee antreten, als der KGB ihm auf die Schliche kommt und ihm eine Falle stellt. Ein ungewöhnliches Biopic haben Piotr Buslow (Regie) und Wyssozkis Sohn Nikita (Drehbuch) erschaffen, ein höchst melodramatisches und spannungsreiches Katz-und-Maus-Spiel zwischen Künstlertruppe und Geheimdienst.

Im Westen nahezu ein Unbekannter, gilt Wladimir Wyssozki (1938-1980) als der größte sowjetische Liedermacher des 20. Jahrhunderts, der russische Bob Dylan, ein subversiver Künstler, der gegen den Totalitarismus dichtete und sang, ein bei den Mächtigen verhasster Volksheld, dessen Grab zu einer Pilgerstätte wurde. Die hier aufgegriffene, entscheidende Episode seines Lebens findet 1979 statt und sie setzt viel voraus, denn Bedeutung und Werk werden nur angerissen.

Die Reise zur Tournee in die ferne südrussische Provinz transportiert das Lebensgefühl jener Zeit, wo die Willkür der Staatsmacht grenzenlos ist, die auf den unbequemen Sänger angesetzt wird. Wyssozki (dem Original wie aus dem Gesicht geschnitten: Andrej Smoljakow) ist ein Drogenwrack und geht bis zum Exitus auf die Bühne. Abhörspezialisten des KGB observieren ihn und greifen nur zähneknirschend bisweilen auf rechtsstaatliche Methoden zurück. Als Wyssozkis junge Frau Ljudmila (Oksana Akinshina aus "Lilja 4-ever") ihm mit dringend benötigten Drogen nachreist, wollen die Apparatschiks zugreifen, doch hier zeigen sich die kafkaesken Strukturen des Sowjetsystems. (quelle: tk.kino.de)

04.05. 15.00 KUNSTBAUERKINO 2, GROSSHENNERSDORF

 

 

End and Beginning

 

Niederlande 2011 | 55 min

Regie: John Albert Jansen

 

Als ihr 1996 der Literaturnobelpreis verliehen wurde, war die polnische Dichterin Wislawa Szymborska (Jahrgang 1923) noch kaum bekannt. Heute ist sie vermutlich eine der gefeiertsten zeitgenössischen Poeten. In ihren Gedichten behandelt sie den Menschen in all seiner Eitelkeit mit zartem Spott und Bewunderung: "Er ist töricht, verdient aber unsere Zuneigung."

Die Dokumentation zeigt unter anderem polnische Kulturgrößen, die ihr ganz eigenes Licht auf die Dichterin werfen. So zum Beispiel Ewa Lipska, ihre engste Freundinn und ebenfalls Schriftstellerein und der renomierte Regisseur Andrzej Wajda

ENDE UND ANFANG ist ein einzigartiges Portrait mit ihren Gedichten als roter Faden in einer Reise durch ihr Schaffen und die Geschichte Polens.

 

03.05. 17.30 KUNSTBAUERKINO 2, GROSSHENNERSDORF

zu Gast: John Albert Jansen

 

 

Little Rose

Pl 2009 | 118 Min

Regie:     Jan Kidawa-Blonski

mit:     Andrzej Seweryn, Magdalena Boczarska, Robert Wieckiewicz, Jan Frycz, Grazyna Szapolowska, Jacek Braciak, Izabella Olszewska, Krzysztof Globisz, Jerzy Kamas, Wladyslaw Kowalski u. a.


Polen in den stürmischen 60er Jahren. Ein bekannter Schriftsteller hat eine Affäre mit einer schönen, wesentlich jüngeren Frau. Trotz der Empörung seiner Umgebung - über den Altersunterschied, die mangelnde Bildung und die fragwürdige gesellschaftliche Stellung der jungen Frau - heiratet er sie. Blind vor Liebe, kommt er nicht auf den Gedanken, dass ihre Beziehung kein Zufall sein könnte. Er weiß nicht, dass seine Partnerin sich insgeheim schon lange mit einem anderen Mann trifft, mit dem sie nicht nur eine heftige Leidenschaft verbindet, sondern auch eine gefährliche Intrige. Sie hat sich verpflichtet, den Agenten mit kompromittierenden Informationen über den Schriftsteller zu versorgen. Obwohl sie weiß, dass sie nur ein Werkzeug in den Händen des Geheimdienstes ist, entwickelt sie mit der Zeit tiefe Gefühle für den Geliebten. Ein gefährliches Spiel der Gefühle entwickelt sich zwischen dem geschätzten Schriftsteller, seiner schönen jungen Frau und ihrem Geliebten.

Die Handlung basiert auf einer echten Begebenheit. Der Film gewann zahlreiche Preise, u. a. den "Heiligen Georg" in Silber für die beste Regie auf dem Internationalen Filmfestival in Moskau und die "Goldenen Löwen" für den besten Film auf dem Polnischen Spielfilmfestival in Gdynia.
 

03.05. 20.00 FILMTHEATER, EBERSBACH

04.05. 16.00 KINO »POZA NO VA«, ZGORZELEC

05.05. 16.00 CENTRUM PANORAMA, VARNSDORF

 

 

Theatre Svoboda

CZ 2011 | 98 min | OF + dt Ü

Regie: Jakub Hejna

Theatre Svoboda portraitiert Leben und Werk des weltberühmten Bühnenbildners und Großvaters des Reggisseurs Joseph Svoboda. Er versuchte stets seine kreative Freiheit, sein Familienleben und politische Verspflichtungen zu Zeiten des Kommunismus unter einen Hut zu bringen. Svoboda arbeitete für einige der besten Theater der Welt, wie The Old Vic in London, die Metropolitan Opera in New York oder La Scala in Mailand und entwarf mehr als 750 Bühnenbilder. Der Film nimmt den Zuschauer buchstäblich mit hinter die Kulissen und zeigt einige der kleinen Geheimnisse von Svobodas faszinierendem Lebenswerk in einigen noch nie gezeigten Archivaufnahmen.

03.05. 16.00 h Hillersche Villa, Zittau

 

 

The Plastic People of the Universe

Tschechien 2001 | 74 min

Regie:Jana Chytilová

 

Ein Film über die Band »The Plastic People of the Universe« (PPU) die ohne Kalkül die Geschichte mitgestaltete. Das Dokument blickt auf das 30jährige Bestehen der Gruppe zurück. Im Vordergrund steht der Konflikt zwischen dem freien schöpferischen Geist und dem totalitären Regime. Obgleich sich »Plastic People« selbst nie als eine Protestbewegung oder politische Gruppierung definierten, wurden sie in der damaligenTschechoslowakei der 1970er und 1980er Jahre zum Symbol des Widerstands gegen die kommunistische Staatsmacht. PPU hatte 2 Platten im Westen aufgenommen, aber in Tschechoslowakei war ihre Musik ständig verboten. Die Inhaftierung der »Plastics« 1976 rief eine Welle der Empörung der internationalen Kulturöffentlichkeit hervor und trug in Böhmen zur Initiierung der Charta 77 bei. Rund um die Band begann sich die sog. »dritte Kultur« zu formieren, die außerhalb des Einflusses des Regimes stand. Über die Musik der Plastic People äußerte sich voller Anerkennung und Respekt auch die Musikgröße Lou Reed. Die Mitglieder dieses Band werden heute als Helden der tschechischen Opposition gegen kommunistischem Regime behandelt.

 

05.05. 22.00 KUNSTBAUERKINO 1, GROSSHENNERSDORF
06.05. 10.00 KUNSTBAUERKINO 2, GROSSHENNERSDORF 

 

 

Kurzer Prozess - Eine Seefahrt in den Stasi-Knast

 

Deutschland 2011 | 48 min

Regie: Andreas Kuno Richter

 

Fünf Tage nach dem Bau der Mauer am 13. August 1961 steigen junge Christen im Ostseebad Wolgast in der DDR auf einen Ausflugsdampfer. Die Jugendlichen machen einen Scherz und schreiben dem Kapitän einen Zettel mit der "untertänigsten" Bitte, doch "wegen der guten Stimmung an Bord" zur dänischen Insel Bornholm zu fahren. Aus einem kleinen Spaß wird bitterer Ernst: Wegen versuchter Republikflucht werden die beiden "Rädelsführer" in einem Schauprozess zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Junge Christen galten in der DDR als Anhänger der "Nato-Kirche", sie waren Feinde des Staates. Später gehören die beiden Verurteilten zu den ersten Häftlingen, die die BRD aus dem Gefängnis freikauft.

50 Jahre später begeben sich fünf Jugendliche einer christlichen Gruppe auf Spurensuche, tragen die Kleidung von damals, geben ihre Handys ab, lassen sich ihre Haare schneiden und versuchen, die Geschichte neu zu erleben. Die Jugendlichen versetzen sich in die dunklen Momente der Einzelhaft hinein. Sie erleben auch die Kraft, die einige der gefangenen Jugendlichen im Glauben fanden. Markus Bräuer, der Medienbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), teilt dazu mit: "In einer Szene baut sich einer der Gefangenen aus Stanniolpapier ein kleines Kreuz und bringt es unbemerkt in seiner Zelle an. Stärker kann der Trost kaum gezeigt werden, den der Glaube spenden kann, gerade auch in schwierigen politischen Zeiten." Der evangelischen Rundfunkarbeit sei es wichtig gewesen, diesen Film gemeinsam mit RTL zu verantworten, denn er zeige, wie fanatisch die christlichen Gemeinden von der DDR verfolgt wurden. Bräuer weiter: "Jede noch so kleine und harmlose Bemerkung wurde gegen sie verwendet, so wie der Zettel, den diese Jugendlichen geschrieben haben." Der Film ist eine Produktion der "Eikon Nord" im Auftrag von RTL mit Unterstützung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirche in Deutschland.

 

 04.05. 17.30 FILMTHEATER EBERSBACH