Kosovo / Balkan

Nachdem im letzten Jahr die Organisatoren des DOKU Fest Prizren zu Gast bei unserem Festival waren und über die Situation des Films und seine vermittelnde Rolle in ihrem Land berichteten, sind es in diesem Jahr Jugendliche, die zum Workshop nach Großhennersdorf kommen, um gemeinsam mit uns an einem Filmprojekt zu arbeiten. Im Gepäck haben sie zwei Filme, die bei den Workshops im Kosovo entstanden sind. Mur/The WALL zeigt uns die Situation in den Schulen des Kosovo, während im zweiten Film über Sinn und Inhalt einer Landesflagge sinniert wird. Ein Blick auf die Länder des ehemaligen Jugoslawien zeigt uns Seelenlandschaften, die aus der Dramatik des Krieges geprägt von einer Wirklichkeit berichten, welche nicht nur fröhlich, aber präzise und packend erzählt wird. Berührend und besonders intensiv erleben wir die Coming Out Geschichte von Goca, die sich trotz aller Schläge des Schicksals ihr helles Wesen erhalten hat.

Mit diesem Licht möchten wir auch Hoffnung und Zuversicht für unsere Freunde in einem Land Ausdruck geben, welches um seine Anerkennung kämpfen muss.

Balkanmelodie

D 96 min

Regie: Stefan Schwietert

Mit: Marcel Cellier, Catherine Cellier, Gheorghe Zamfir, Ion Pop, Aurel Ionita, Le Mystí¨re des Voix Bulgares, Mahala Rai Banda, Grupul Iza

Seit den Sechziger Jahren reiste der Schweizer Musiker und Produzent Marcel Cellier mit seiner Frau über einen Zeitraum von rund vierzig Jahren regelmäßig in die Balkanstaaten, immer auf den Spuren der ursprünglichen traditionellen Musik. Durch ihn wurden die eingängigen Stimmen von Le Mystí¨re des Voix Bulgares, dem ehemaligen bulgarischen Radio- und Fernsehchor auch im westlichen Europa bekannt, ebenso wie der rumänische Panflötenvirtuose Gheorghe Zamfir. Die Dokumentation rekonstruiert die Erfahrungen des Ehepaars und spürt auch die Musiker von damals auf.

 

Samstag 04.05. 20.00 h Camillo, Görlitz

 

 

Obrana i zastita / A Stranger

Kroatien, Bosnien udn Herzegowina 2013 87 min

Regie: Bobo Jelcic

Darsteller: Bogdan Diklic, NadaDjurevska, Ivana Roscic, Rakan Rushaidat


Der Tod eines alten Freundes stürzt Slavko in ein Dilemma. Er ist unschlüssig, ob er als Kroate an der Beerdigung im muslimischen Teil von Mostar teilnehmen soll. Einerseits fühlt er sich verpflichtet, andererseits fürchtet er Anfeindungen seines Umfelds. Seine Frau ist verärgert, und auch sein Sohn hat genug von seinen immergleichen Monologen. Innerlich zerrissen und zutiefst gespalten "“ der Mann und seine Stadt haben etwas gemeinsam.

Dass Mostar, fast zwei Jahrzehnte nach dem Ende des Krieges, immer noch geteilt ist, darauf beruht dieses Psychogramm. Eine unsichtbare Grenze aus Argwohn und Misstrauen bestimmt den Alltag der Menschen. Slavko möchte nichts falsch machen, hat aber das Gespür für das, was er wirklich will, verloren. Sein Agieren nimmt grotesk-paranoide Züge an. Unrast und Spannung macht die über weite Strecken sehr bewegliche, fluide Handkamera spürbar. Kurze emotionale Ausbrüche und dramatische Ausstiegs-Szenarien wirken wie ein Aufschrei, der folgenlos bleibt.

 

Freitag 03.05. 15.00 h Kunstbauerkino 2, Großhennersdorf

als Vorfilm "Journal No.1"

 

 

When I was a Boy, I was a girl

Serbien 2011 30 min

Regie: Ivana Todorovic

Goca ist ein Transvestit. Sie lebt in Belgrad, der Hauptstadt eines Landes, das die Organisation oder Teilnahme an einer Gay Parade verbietet. Goca zieht eine Tochter auf, die eigentlich ihre Nichte ist. Ihr 18-jähriger Boyfriend klaut ihr Geld, das sie als Sexarbeiterin in einem gefährlichen Umfeld verdient. Goca liebt ihn trotzdem und hat sich ein offenes, helles Wesen erhalten. An ihrem 39. Geburtstag beschließt Goca, ihr Coming-out vor Publikum auf einer Theaterbühne zu zelebrieren. Sie erzählt die Geschichte ihres Lebens: "Als ich ein Junge war, war ich ein Mädchen."

 

Freitag 03.05. 18.30 h Centrum Panorama, Varnsdorf

Samstag 04.05. 15.00 h Kunstbauerkino 2, Großhennersdorf

  

Djeca - Kinder von Sarajevo

Bosnien, Deutschland, frankreich, Türkei 2012 90 min

Regie: Aida Begic
Darsteller: Marija Pikic, Ismir Gagula


Die 23-jährige Rahima muss ihrem 14-jährigen Bruder Nedim die Eltern ersetzen, die im Bosnienkrieg umgekommen sind. Sie arbeitet in einer Restaurantküche in Sarajevo, hält sich und ihren Schützling mühsam über Wasser. Rahima hat zur Religion zurückgefunden und trägt ihr Kopftuch wie einen Schutz. Ihr Bruder wird gemobbt und zerstört bei einer Schlägerei das iPhone eines Mitschülers, Sohn eines einflussreichen Politikers. Rahima wird unter Druck gesetzt. Die bosnische Filmerin Aida Begi?‡ zeichnet das graue Alltagsbild eines Geschwisterpaars in einer geschundenen Stadt.

 

Samstag 04.05. 22.00 h Kunstbauerkino 2, Großhennersdorf

Sonntag 05.05. 19.30 h Kulturhaus, Bogatynia

 

 

Mur / The Wall

Kosovo 2012 25 min

Regie: Nikola Polic

Im kosovarischen Dorf Rubovce, 20 Kilometer südlich der Hauptstadt Prishtina, wurde vor zwei Jahrzehnten in einer kleinen Grundschule eine Mauer gebaut, die noch immer die jungen albanischen und serbischen Schüler trennt. Der neunzehn Jahre alte Filmemacher Polic und der Kameramann Luma nutzen ihre sondierende Kamera, um eine intensive, launisch und elegische Atmosphäre zu schaffen.

 

 

I Kujt í‹shtí« Flamuri? / Whose Flag is it?

Kosovo 2012 14 min

Regie: Baris Karamuí§o

Direktor Karamuco sinniert über den Begriff der nationalen Identität und die Debatte über die Kosovo-Flagge. Im Film erklärt der Lehrer die Flagge in einer außergewöhnlichen Folge brillanter Themen vor den großen Augen von Kindergartenkindern.
Der Dokumentarfilm ist ein Ergebnis des Projekts Human Rights Film Factory - Human Rights Stories aus dem Kosovo Margins, finanziert durch die EU-Mission im Kosovo und dem Dokufest

 

Samstag 04.05. 15.00 h Kunstbauerkino 2, Großhennersdorf

 

 

SMRT ?ŒOVEKA NA BALKANU | Death of a Man in Balkans

Serbien 2012 | 80 min

Regie: Miroslav Mom?ilovi?‡
Darsteller: Emir Hadzihafizbegovic, Radoslav Milenkovic

 

Mit nur einer Kameraeinstellung erzählt "Tod eines Mannes auf dem Balkan", wie ein Selbstmord Anlass zum heiteren Zeitvertreib geben kann. Aufgescheucht vom Schussgeräusch dringt ein Nachbar in die Wohnung eines depressiven Komponistens ein. Wenn der Komponist auch aus Einsamkeit Selbstmord begangen hat, so füllt sich post mortem seine Wohnung neben den Beamten auch mit allerlei Schaulustigen, die bald schon essend, trinkend und Schach spielend die Ermittlungsarbeiten mit verfolgen. Als die Polizisten bemerken, dass die Kamera, mit der der Komponist seinen Suizid dokumentieren wollte, die ganze Szenerie aufzeichnet, ändert sich die paradoxe Situation in der Wohnung schlagartig.

 

Donnerstag 02.05. 22.00 h Kronenkino, Zittau

zu Gast: Miroslav Momcilovic