Tschechisch-slowakische Filme dominieren beim 14. Neiße Filmfestival

Matej Hlavác, Iveta Grófová, Tereza Nvotová, Jens Wischnewski, Franz Müller, Johannes Kürschner, Patos Kycovity, Jirí Laštovka, Daniela Souckova... (from the left, ® Hannes Rönsch)
Tereza Nvotová (Regie, Drehbuch) und Uwe Gaul (Staatssekretär im Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst)... (Bester Spielfilm - "Špína" - ® Hannes Rönsch)
Jürgen Pohl (Jury), Iveta Grófová (Regie, Drehbuch), Aleš Hudský (Jury)... (Beste darstellerische Leistung - stellvertretend für Vanessa Szamuhelová in "Pátá lo?" - ® Hannes Rönsch)
Aleš Hudský (Jury), Tobias Berg (Europastadt Görlitz/Zgorzelec GmbH), Jürgen Pohl (Jury)... (stellvertretend für Bestes Szenenbild - "Masaryk" - ® Hannes Rönsch)
Martin Dušek (Jury), Grit Lemke (Jury) und Thomas Zenker (Oberbürgermeister der Stadt Zittau) mit der Familie einer Protagonistin... (Bester Dokumentarfilm - "Normální autistický film" - from the left, ® Hannes Rönsch)
Jirí Laštovka (Darsteller), Daniela Souckova, Petr Slabý (Jury), Patos Kycovity, Jutta Wille (Jury), Sabin Kluszczynski (Jury)... (Bester Kurzfilm - "Fleur" - ® Hannes Rönsch)
Christian Zimmermann (Jury), Michal Rosa (Drehbuch, Regie), Martin Musílek (Jury), Marta Trzeciak (Jury)... (Spezialpreis des Filmverband Sachsen - "Szczescie swiata" - ® Hannes Rönsch)
Jens Wischnewski (Regie/Drehbuch)... ("Die Reste meines Lebens" - Publikumspreis Langfilm - ® Hannes Rönsch)
Franz Müller und Johannes Kürschner ("Simply The Worst" - Publikumspreis Kurzfilm - ® Hannes Rönsch)

Mehr Zuschauer, mehr Filmemacher, mehr Spielstätten, mehr Filme… mehr Neiße Filmfestival. Mit einem neuen Besucherrekord ging am Sonntag das 14. Neiße Filmfestival zu Ende. Rund 6.300 Besucher erlebten in den vergangenen Tagen an 22 Spielorten entlang der Neiße über 130 Spiel-, Kurz- und Dokumentarfilme in drei Wettbewerben und diversen Filmreihen sowie ein volles Rahmenprogramm mit Ausstellungen, Konzerten, einer Lesung und der traditionellen Festivalparty. Dabei waren auch in diesem Jahr zahlreiche Regisseure und Filmemacher im Dreiländereck zwischen Deutschland, Polen und Tschechien zu Gast, um ihre Filme persönlich zu präsentieren. Mit fast 600 Einreichungen hatten die Festivalmacher bereits vor dem Festivalstart einen neuen Rekord gefeiert. Der Festivalfokus widmete sich 2017 unter dem Titel „Die Macht des Glaubens“ auf den Einfluss von Glaube und Religion(en) auf die heutige Gesellschaft.

„Wir freuen wir uns über die Resonanz von Zuschauern und Filmschaffenden, ebenso wie über das Engagement unserer Partner und Unterstützer. Ein besonderer Dank gilt unserem überwiegend ehrenamtlichen Team, ohne dass dieses Projekt nicht möglich wäre.“, erklärt Ola Staszel von der Festivalleitung. „Die wachsende Anerkennung, sowohl aus der Branche als auch aus Politik und Gesellschaft, bestätigt uns in unserer Arbeit.“, so Staszel weiter. Ausdruck dieser Anerkennung ist nicht zuletzt der mit 5.000 Euro dotierte „Neiße-Filmpreis“, der erstmals vom Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst gestiftet wurde und als Talentförderung für die beste Regisseurin oder den besten Regisseur in der Kategorie Spielfilm verliehen wird.

Neiße-Filmpreis für slowakisch-tschechische Koproduktion "Špína" (Dreck)

Bereits am Samstagabend wurden im tschechischen Varnsdorf bei der Preisverleihung die begehrten Neiße-Fische vergeben. In den drei Wettbewerben des Festivals dominierten Filme aus Tschechien und der Slowakei. Der Neiße-Filmpreis der Sächsischen Kunstministerin für den besten Spielfilm ging an die tschechisch-slowakische Koproduktion "Špína" (Dreck) von Tereza Nvotová. Die Jury mit dem tschechischen Filmproduzenten Aleš Hudský, Jürgen Pohl vom deutschen Filmverleih Edition Salzgeber und dem polnischen Kulturmanager und Festivalleiter Maciej Zabojszcz musste sich im Wettbewerb zwischen je drei Spielfilmen aus Deutschland, Polen und Tschechien entscheiden. "Die Geschichte der jungen Lena, die nach dem Missbrauch durch ihren Lehrer ihren Weg finden muss, gegen ein antiquiertes psychiatrisches System auf der einen und den Unglauben ihrer nächsten Umwelt auf der anderen Seite, hat uns in seiner kraftvollen, rauen und extrem emotionalen Inszenierung überzeugt und atemlos zurückgelassen.", so die Juroren in ihrer Begründung.

Den von der Sächsischen Zeitung gestifteten Preis für die beste darstellerische Leistung erhielt Vanessa Szamuhelová für ihre Rolle junges Mädchen, das zwei ausgesetzte Zwillings-Babys in ihre Obhut nimmt, in "Pátá loď" (Das fünfte Schiff) von Iveta Grófová. Den Preis für das beste Szenenbild, gestiftet von der Stadt Görlitz, vergab die Jury an Milan Býček für seine Arbeit an "Masaryk" (A prominent Patient) von Julius Ševčík.

"Normální autistický film" (Normal Autistic Film) bester Dokumentarfilm

"Normální autistický film" (Normal Autistic Film) von Miroslav Janek erhielt den von der Stadt Zittau gestifteten Preis für den besten Dokumentarfilm. Zwei Jahre lang folgte Janek drei Jugendlichen mit Asperger Syndrom mit der Kamera. Entstanden ist ein dabei Film voll von bemerkenswerter Leichtigkeit über die Schönheit der Andersartigkeit. Die Jury - die deutsche Autorin, Dramaturgin, Journalistin und Filmkritikerin Grit Lemke, die Dokumentarfilmerin Agnieszka Zwiefka aus Polen und der tschechische Journalist Martin Dušek - hob in ihrer Begründung hervor, dass "... dieses Werk ein wirklicher Film ist, der, statt Behauptungen zu illustrieren, die Mittel der Filmsprache geschickt nutzt. So lässt uns Miroslav Janek eine Welt erfahren, die uns fremd ist, und ermöglicht es zugleich, uns selbst in den Protagonisten zu finden. Und genau das ist der Unterschied zwischen bloßem Journalismus und Filmkunst, zwischen Dokumentation und Dokumentarfilm."

"Fleur" (Blume) bester Kurzfilm

Den Preis für den besten Kurzfilm erhielt "Fleur" (Blume) von Oliver Beaujard, ein liebevoll inszeniertes Märchen über einen Gärtner, der seine Aufmerksamkeit mehr den Pflanzen als seinem einsamen kleinen Sohn widmet - und über die Versöhnung in einer magischen Welt. Über den vom Studierendenrat der Hochschule Zittau/Görlitz gestifteten Preis entschieden der polnische Regisseur Sabin Kluszczyński, der tschechische Regisseur und Autor Petr Slabý und Jutta Wille, Geschäftsführerin der AG Kurzfilm. In der Begründung der Jury heißt es: "Ein phantastisches Spiel mit Farben und visuellen Ideen - gesehen durch die Augen eines Kindes erinnert der Film daran, ab und zu Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten."

Spezialpreis des Filmverband Sachsen für "Szczęście świata" (Das Glück der Erde)

Der Spezialpreis des Filmverband Sachsen wird jährlich einen Film vergeben, der sich mit Respekt und Toleranz anderen Kulturen nähert und einen Weg zum Dialog bereitet. Der Spielfilm "Szczęście świata" (Das Glück der Erde) von Michał Rosa erfüllte nach Meinung der Jury - Marta Trzeciak, Kulturmanagerin und Pädagogin aus Polen, Martin Musílek, Intendant des Theaters Varnsdorf, und Christian Zimmermann, Geschäftsführer des Filmverbands Sachsen - diese Kriterien. "Der Film erzählt auf poetische, filmisch außergewöhnliche und (dankenswert) von Schockmomenten freie Weise die Geschichte einer jungen Frau, die das heimliche Zentrum dieser Hausgesellschaft ist, und vermittelt dabei vollkommen unaufgeregt, dass bereits Unterlassung Verrat bedeuten kann und sich dieser Verrat am Ende gegen jeden einzelnen wendet. Über die beeindruckende Schauspielleistung, die zauberhaften Bilder und das tolle Sounddesign hinaus gelingt es dem Film, den Zuschauer zum Hinterfragen der eigenen Rolle zu bringen und das eigene Verhalten zu reflektieren.", so die Begründung der Jury. Eine Besondere Erwähnung gab es für den Dokumentarfilm "Dotknięcie Anioła" (Vom Wunder des Überlebens) von Marek Tomasz Pawlowski.

Bohdan Sláma erhält Ehrenpreis des Neiße Filmfestivals

Der Ehrenpreis des Neiße Filmfestivals wurde in diesem Jahr an den tschechischen Regisseur Bohdan Sláma verliehen. Sláma gehört zu einer jüngeren Generation tschechischer Filmemacher, die der Tristesse des postsozialistischen Lebens nach 1990 mit Humor und Charakter herausragende Filme entgegensetzen. Er schafft Figuren, die in schwierigen Zeiten bereit sind, eigene Wege zu gehen, und wird trotz seiner Suche nach Romantik und Idylle niemals kitschig. Er macht Mut auf dem Weg zum kleinen Glück, dass so schnell, wie es gekommen ist, auch wieder verschwinden kann.

Publikumspreise für "Die Reste meines Lebens" und "Simply The Worst"

Auch die Meinung des Publikums war gefragt: Der Publikumspreis für den besten Langfilm des Festivals ging an den Spielfilm "Die Reste meines Lebens" von Jens Wischnewski, beliebtester Kurzfilm wurde "Simply The Worst" von Johannes Kürschner und Franz Müller.

Alle Preisträger des 14. Neiße Filmfestival:

"Špína" (Dreck) von Tereza Nvotová (CZ/SK) - Neiße-Filmpreis der Sächsischen Kunstministerin für den besten Spielfilm (gestiftet vom Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst), dotiert mit 5.000 Euro

Vanessa Szamuhelová in "Pátá loď" (Das fünfte Schiff) von Iveta Grófová (SK/CZ) - Beste darstellerische Leistung (gestiftet von der Sächsischen Zeitung), dotiert mit 600 Euro

"Masaryk" (A prominent Patient) von Julius Ševčík, Szenenbild: Milan Býček (CZ/SK) - Bestes Szenenbild (gestiftet von der Stadt Görlitz), dotiert mit 1.000 Euro

"Normální autistický film" (Normal Autistic Film) von Miroslav Janek (CZ) - Bester Dokumentarfilm (gestiftet von der Stadt Zittau), dotiert mit 1.000 Euro

"Fleur" (Blume) von Oliver Beaujard (CZ) - Bester Kurzfilm (gestiftet vom Studierendenrat der Hochschule Zittau/Görlitz):, dotiert mit 1.000 Euro

"Szczęście świata" (Das Glück der Erde) von Michał Rosa (PL) - Spezialpreis des Filmverband Sachsen, dotiert mit 1.000 Euro
Besondere Erwähnung: "Dotknięcie Anioła" (Vom Wunder des Überlebens) von Marek Tomasz Pawlowski

"Die Reste meines Lebens" von Jens Wischnewski (D) - Publikumspreis Langfilm (gestiftet vom ZVON), dotiert mit 1.000 Euro

"Simply The Worst" von Johannes Kürschner und Franz Müller (D) - Publikumspreis Kurzfilm (gestiftet vom Neiße Filmefestival), dotiert mit 250 Euro

Das nächste Neiße Filmfestival findet vom 15. bis 20. Mai 2018 statt.

Downloads

Weiteres Bildmaterial gibt es via Dropbox zum Download...

Fotos:

Die Festivalleitung des Neiße Filmfestival 2017 - Bild 1 (© Hannes Rönsch) screen-s/w oder print-col
Die Festivalleitung des Neiße Filmfestival 2017 - Bild 2 (© Hannes Rönsch) screen-s/w oder print-col
Die Festivalleitung des Neiße Filmfestival 2017 - Bild 3 (© Hannes Rönsch) screen-s/w oder print-col
Die Festivalleitung des Neiße Filmfestival 2017 - Bild 4 (© Hannes Rönsch) screen-s/w oder print-col

Das Team des Neiße Filmfestival 2017 - Bild 1 (© Hannes Rönsch)
Das Team des Neiße Filmfestival 2017 - Bild 2 (© Hannes Rönsch)
Die Neiße-Fische 2016 (© Hannes Rönsch)

Logos:

Das Logo des Neiße Filmfestival 2017 in schwarz-weiß (© KunstBauerKino e.V.)
Das Logo des Neiße Filmfestival 2017 in CMYK (© KunstBauerKino e.V.)
Das Logo des Neiße Filmfestival 2017 in transparent-weiß (© KunstBauerKino e.V.)

Falls nicht anders angegeben, verwenden Sie bitte bei Bildmaterial immer folgenden Copyright-Hinweis: © Neiße Filmfestival.