Dokumentarfilme

Das Besondere des Jahrganges 2012 ist die Vergabe eines Preisgeldes in Höhe von 300,00 Euro an einen, in seiner thematischen Wahl außergewöhnlichen und inspirativen Dokumentarfilmes. Die diesjährige Auswahl ist vor allem den Porträts von Menschen in besonderen  Situationen, an besonderen Orten gewidmet. Von der künstlerisch kreativen Persönlichkeit bis zur besonderen Herausforderung in Alltagssituation begegnen wir Menschen, die mit viel Energie und Vielfalt auf diese reagieren. Mit der dokumentarischen Kamera sind wir Zeugen langzeitiger Beobachtung einer persönlichen Beziehung im Film "Die Frau des Fotografen", welcher mit dem deutschen Kurzfilmpreis 2011 ausgezeichnet wurde. Mit "Mitternacht" erfahren wir die Wirkung von Licht und Dunkelheit auf unsere Leben. Sicherlich eine ganz andere Erfahrung konfrontiert uns mit Menschen, welche dem Alkohol nicht entrinnen können, eine mittlerweile sehr alltägliche Erfahrung in unserer Republik.

 

My Perestroika

USA, Großbritanien, Russland 2010 | 87 min | O m eUT + d Ü

Regie / Kamera: Robin Hessmann

Geschichte ist persönlich. "My Perestroika" erzählt von den Lebenswegen fünf normaler Russen, die in ungewöhnlichen Zeiten aufwuchsen: Von einer behüteten Kindheit in der Sowjetunion, über deren Zerfall, bis zu der sich immer wieder verändernden politischen Landschaft im modernen Russland. Zusammen ergeben die Portraits ein komplexes Bild der Träume und Desillusionierung der letzten Generation, die noch hinter dem Eisernen Vorhand aufwuchs.

zu Gast: Boris, Lyubia und Mark Meyersson

 

Donnerstag 17.30 h Kunstbauerkino 1, Großhennersdorf

Freitag 20.00 h Camillo, Görlitz

 

 

Anna Pavlova lebt in Berlin

Deutschland 2011 | 80 min

Regie: Theo Solnik

Anna Pavlova, russische Partyqueen, verkörpert das brutale Glück und die Tragödie der Berliner Partygeneration unserer Zeit. Verloren an der Grenze zwischen Wahnsinn und seltener poetischer Klarheit, wandernd durch die Strassen von Berlin zeigt sie uns eine Seite der Partywelt, die wir selten sehen. Ihre Existenz ist ein verzweifelter Versuch, in endlosem Glück zu leben, um nicht die Welt zu sehen, die anfängt, wenn die Partymusik zu Ende ist.

zu Gast: Theo Solnik und Anna Pavlova

 

Donnerstag 3.5. 18.30 h Hillersche Villa, Zittau

 

 

Portraits deutscher Alkoholiker

Deutschland 2009 | 81 min

Regie: Carolin Schmitz

Ein IT-Berater, dessen Alkoholsucht sich ganz langsam, nur mit einem Gläschen Wein hier und da eingeschlichen hat. Ein Rechtsanwalt, der sich im harten Studium lediglich gegen seine Prüfungsangst ein Tröpfchen "Mut" genehmigt hat. Eine Narkose-Assistentin, die einfach ein wenig leichter durch den Alltagsstress gelangen will. Die Dokumentation lässt Stimmen aus der Mitte unserer Gesellschaft erzählen, wie sich die Sucht langsam, aber sicher in ihr Leben geschlichen hat und irgendwann zum ernsthaften Problem geworden ist.

 

Freitag 4.5. 15.00 h  Kunstbauerkino 1, Großhennersdorf

 

 

Black Block

Deutschland 2011 | 77min.
Regie, Buch: Carlo A. Bachschmidt.

 

Genua 2001: Der Gipfel der G8, der Protest der Hunderttausenden, die Kämpfe, die Hoffnungen, der erschossene Demonstrant, die Polizeigewalt auf den Strassen und schließlich beim Überfall auf die Diaz-Schule. Was in dieser als Schlafplatz genutzten Schule passiert ist und was davon bleibt "“ davon legen Aktivist/innen im Dokumentarfilm "Black Block" Zeugnis ab.

300 Polizisten stürmten in der Nacht nach dem Gipfel die Diaz-Schule. Bei ihrem kalkulierten Blutbad verletzten sie fast 90 Menschen schwer. Selbst aus den Krankenhäusern wurden sie anschließend in die Polizeikaserne Bolzaneto gebracht, dort erniedrigt und gefoltert. Niels und Lena (Hamburg), Chabi (Zaragoza), Mina (Paris), Dan (London), Michael (Nizza) und Muli (Berlin) erzählen ihre Geschichten aus dieser Nacht, von davor und danach, von der erlittenen Traumatisierung, von dem, was für sie seither anders geworden ist. Aber auch, wie sie neue Wege fanden und dabei festhalten an den Idealen, die sie nach Genua geführt hatten.

Samstag 5.5. 17.30 h Kunstbauerkino 2, Großhennersdorf

 

 

 

Unter Männern - Schwul in der DDR

D 2012 | 91 min
Regie: Ringo Rösener und Markus Stein


Vor mehr als zwei Jahrzehnten existierte in Europa ein Land, das die Grenze zu einem anderen politischen und wirtschaftlichen System markierte und doch die Mitte des Kontinents darstellte. Dieses Land nannte sich Deutsche Demokratische Republik, verwirklichte den Sozialismus und war Heimat für 17 Millionen Menschen. Tief in der ostdeutschen Provinz geboren, bekam Ringo Rösener gerade noch den Zusammenbruch mit. Mit dem Jahrtausendwechsel verlässt er seine Geburtsstadt Anklam und lebt seine Homosexualität aus - das ist etwas, das er sich bis dahin nie getraut hatte. Wäre so ein offen schwules Leben im real existierenden Sozialismus möglich gewesen?

Ringo Rösener begegnet sechs schwulen Männern, die in der DDR lebten und die zum Teil erstmals offen über ihre Sexualität sprechen. Nach und nach lassen sie ihn an ihren eigenen persönlichen Geschichten teilhaben und sprechen von ihrem Leben in einem vermeintlich uniformen Staat.

Samstag 5.5. 22.00 h Kunstbauerkino 2, Großhennersdorf

 

 

 

Die geteilte Klasse

 

Deutschland, Polen 2011 | 79 min | dt

Regie: Andrzej Klamt

 

Der Autor und Filmemacher Andrzej Klamt begibt sich in seinem Dokumentarfilm auf die Suche nach ehemaligen Klassenkameraden, mit denen er einst im im polnischen Bytom (früher Beuthen) zur Schule ging. Es stellt sich heraus, dass die eine Hälfte in Polen blieb, die andere hingegen im Lauf der Jahre nach Deutschland auswanderte.

Von dieser Entwicklung in seinem persönlichen Umfeld ausgehend, betrachtet Klamt eine verbreitete Entwicklung in den 70er und 80er Jahren: hunderttausende Menschen deutscher Herkunft siedelten aus Osteuropa nach Deutschland über. In dem Film kommen Mitglieder dieser oft übersehenen Minderheit zu Wort und erzählen ihre Geschichte. Von den Kindheiten im damals kommunistischen Polen, der Ausreise in den "goldenen Westen" und dem nicht einfachen Neubeginn in Deutschland.

 

DIE GETEILTE KLASSE behandelt ein bisher kaum beachtetes Thema in der öffentlichen Wahrnehmung sowohl der deutschen als auch der polnischen Öffentlichkeit: die Integration der sogenannten Spätaussiedler (Deutschstämmige aus Polen) in der Bundesrepublik Deutschland. Es ist die Geschichte von unzähligen Neubürgern der BRD, die nicht so berühmt geworden sind wie Miroslav Klose oder Lukas Podolski, gleichwohl eine ähnliche Vorgeschichte haben.

zu Gast: Andrzej Klamt

 

 

03.05. 18.00 KINO POZA, ZGORCELEC (PL)
03.05. 20.00 TURMVILLA, BAD MUSKAU
04.05. 17.30 KUNSTBAUERKINO 2, GROSSHENNERSDORF

 

 

 

Der zerbrochene Klang

Deutschland 2011 / 129 min

Regie: Yvonne Andrä, Wolfgang Andrä

 

Der Dokumentarfilm begleitet eine 14-köpfige Truppe, international anerkannter Musiker, auf der Suche nach einer verschwundenen Musikkultur, die sich bis Anfang des 20. Jahrhundert in Teilen Osteuropas entwickelte. Jüdische und Roma-Musikerfamilien lebten damals in Teilen Bessarabiens und entwickelten untereinander eine Subkultur von musizierenden Familienbanden. Im Zuge des zweiten Weltkriegs wurde diese Kultur jedoch fast gänzlich zerstört. Über 70 Jahre später befinden sich die Musiker nun auf den Spuren dieser Vergangenheit und müssen dabei feststellen, dass sie nicht nur eine Reise in eine verloren gegangene Kultur sonder auch in sich selber machen müssen. Die Suche nach den alten Klängen entwickelt sich zur schmerzhaften Erfahrung mit der eigenen Identität.

 

Donnerstag 3.5. 19.00 h Camillo, Görlitz zu Gast: Yvonne Andrä

Freitag 4.5. 17.30 h Kronenkino, Zittau

 

 

 

Die Frau des Fotografen | Mitternacht

Die Frau des Fotografen

 

Deutschland 2011 | 30 min

Regie: Philip Widmann

Ein Ehepaar, er Fotograf, sie sein Modell. Liebe und Leben in Bildern. Ferien in den Bergen, am Meer, in Städten. Die begehrte Frau in zahlreichen Akten. Was wird erinnert? Welche Bilder werden überliefert, welche Fotos zerrissen?

Mit dem Deutschen Kurzfilmpreis 2011 ausgezeichnet.

 

 

 

Mitternacht | Pulnoc

Tschechien 2010, 40 min

Regie: Klára Tasovská

 

Diese wahrlich bemerkenswerte Untersuchung der sozialen und psychologischen Auswirkungen von Licht und Dunkelheit taucht in eine Welt der "ºDarker"¹ ein, wirft einen Blick auf die Energiekrise und präsentiert das Videotagebuch des Regisseurs über ein Leben in Dunkelheit. In einem fragmentarischen Helldunkel- Mosaik kommen und gehen Formen und Situationen wie Gedanken, die durch den ruhigen Geist eines Beobachters des nächtlichen Himmels fliegt. Dunkelheit ist sowohl das Thema als auch der stilistische Ausgangspunkt einer filmischen Betrachtung der angeblichen Vorteile einer modernen, viel zu beleuchteten Zivilisation, in der die Menschen verdammt sind, sich zwischen allgegenwärtigen Lampen zu bewegen ... ein Dokumentarfilm über verschiedene Arten von Finsternis.

 

Donnerstag 3.5. 20.00 h Centrum Panorama, Varnsdorf

Samstag 5.5. 18.30 h Hillersche Villa, Zittau

 

Mark Lombardi - Kunst und Konspiration

Deutschland 2011 | 79 min

Regie: Mareike Wegener

Der amerikanische Künstler Mark Lombardi stellt in seinen expliziten, an den Terrorismus anlehnenden Kunstwerken die Macht und das undurchsichtige Netzwerk der globalen Wirtschafts- und Finanzelite dar. Seine Werke zeugten von einem immensen Wissen über die Machenschaften des politischen und wirtschaftlichen Amerikas, sodass nach seinem, bis heute ungeklärtem Tod, eines seiner Werke im New Yorker Museum vom FBI nach Informationen über Al Quaida untersucht wurde. Die Dokumentation portraitiert das Künstler-Genie Mark Lombardi, welcher sich selber als sozialen Wächter betrachtete und öffentlich zugängliche Informationen sammelte und damit die eigentlichen Machenschaften der Konzerne und Staatsmänner entlarvte. Der Film versucht ein wenig Licht ins Dunkle zu bringen, auch wenn der Widerstand groß ist.

zu Gast: Mareike Wegener

 

Sonntag 6.5. 13.00 h Kunstbauerkino 2, Großhennersdorf

 

 

 

 

Herr Felde und der Wert der Dinge

Deutschland 2011 | 55 min

Regie: Klaus Peter Karger

Der Dokumentarfilm Herr Felde und der Wert der Dinge handelt vom Arbeitsalltag eines Aussiedlers, der sich mit seinem Schicksal arrangiert und einen passenden Platz im Leben gefunden hat. Das klingt weder spektakulär noch spannend, ist es aber. Denn Herr Felde ist nicht nur ein begnadeter Handwerker, sondern erscheint auch als wundersamer Lehrmeister für Demut, Dankbarkeit und Zufriedenheit. Er hat Achtung vor den Dingen und vor den Menschen, denen sie gehören "“ das ist sein Geheimnis.

Wenn gerade keine Kundschaft im Laden ist, erzählt Herr Felde von seinem Leben. Man sieht Landschaften in Kirgistan, folkloristische Klänge unterstreichen den Anfl ug von Wehmut. Ohne jede Wehleidigkeit skizziert der Aussiedler seine Geschichte: Zwei Mal wurde die Familie deportiert, unter Stalin nach Sibirien, und 1963 wurde sie dann nach Bischkek umgesiedelt. Um in der Zwangsheimat Karriere machen zu können, hätte er Atheist und Partei-Mitglied sein müssen und keinesfalls deutsch sein dürfen, also lernte er Schuhmacher wie die beiden Großväter und stellte mit den Brüdern individuelle Schuhe her. In Kirgisien kostete ein Paar einen halben Monatslohn, erfahren die Zuschauer und ahnen, dass sich Wilhelm Feldes wertschätzende Haltung in einer Zeit des Mangels manifestierte.

Nach der Ausreise vor gut 20 Jahren wurde er in Deutschland mit dem Gegenteil konfrontiert. Er lernte Überfluss und Geringschätzung kennen "“ und die Bedürftigkeit von Menschen, denen Dinge auch jenseits ihres materiellen Wertes lieb und teuer sind. Der Film beschreibt eine Insel inmitten unserer Wegwerfgesellschaft und verbeugt sich vor einem Mann, der seine Größe im Kleinen entfaltet. Und der sein Glück auf dem aufbaut, was ist und nicht auf dem, was sein könnte.
"Traurig sein, bringt nichts", sagt Herr Felde. "Ich habe alles, was ich brauche. Ich muss keine Sterne vom Himmel holen."

 

Samstag 5.5. 16.00 h Hillersche Villa,  Zittau

 

 

Revision

Deutschland 2012 | 106 min

Regie: Philip Scheffner

Am 29. Juni 1992 entdeckt ein Bauer zwei Körper in einem Getreidefeld in Mecklenburg-Vorpommern. Ermittlungen ergeben, dass es sich bei den Toten um rumänische Staatsbürger handelt. Sie werden bei dem Versuch, die europäische Außengrenze zu überschreiten, von Jägern erschossen. Diese geben an, die Menschen mit Wildschweinen verwechselt zu haben. Vier Jahre später beginnt der Prozess. Welcher der Jäger den tödlichen Schuss abgegeben hat, lässt sich nie beweisen. Das Urteil: Freispruch. dpa meldet: 'Aus Rumänien ist niemand zur Urteilsverkündung angereist.'
In den Akten stehen die Namen und Adressen von Grigore Velcu und Eudache Calderar. Ihre Familien wussten nicht, dass jemals ein Prozess stattgefunden hat.

Mit REVISION wird ein juristisch abgeschlossener Kriminalfall einer filmischen Revision unterzogen, die Orte, Personen und Erinnerungen miteinander verknüpft und ein fragiles Geflecht aus Versionen und Perspektiven einer 'europäischen Geschichte' ergibt.

 

Samstag 5.5. 13.00 h Kunstbauerkino 2, Großhennersdorf