Porträts, Menschen, Geschichten - DEFA Stiftung

 

 

 

Mit freundlicher Unterstützung der DEFA Stiftung.

 

 

Das zweite Leben des Friedrich Wilhelm Georg Platow

DDR 1973 | 90 min 

Regie: Siegfried Kühn 

Drehbuch : Helmut Baierl, Siegfried Kühn

Kamera: Roland Dressel

Musik: Hans-Jürgen Wenzel

Darsteller: Fritz Marquardt, Anna-Katharina Frank , Hannelore Telloke , Fred Delmare , Gisela Hess, Jürgen Holtz , Gudrun Ritter,Jaecki Schwarz, Axel Triebel, die "Puhdys u.a.

 

Völlig unerwartet kommt der Fortschritt über den Eisenbahner Platow. Seit Jahr und Tag schiebt er Dienst auf dem Bahnhof Luege, jetzt soll sein Schrankenwärterplatz der neuen Technik zum Opfer fallen. Mit seinen 57 Jahren könnte Platow auf einer Nebenstrecke bequem die Zeit bis zur Rente überbrücken. Als sein Sohn Georg die Einladung zu einem Qualifizierungslehrgang entschieden zurückweist, fasst Vater Platow einen ungewöhnlichen Entschluss: Er gibt sich als der zwanzig Jahre jüngere Sohn aus und drückt an dessen Stelle die Schulbank. Am schnellsten gelingt Platow die körperliche Wandlung, den neuen Lehrstoff muss er sich hingegen mit allerlei Tricks und Kniffen aneignen. Platows bisheriges Leben steht so sehr Kopf, dass er sich sogar in die junge Frau Malvine verliebt. Doch in Dozent Schildt erwächst ihm ein gefährlicher Nebenbuhler. In zumindest einem Bereich zeigt Platow dem Jüngeren erfolgreich, was eine Harke ist.

Regisseur Siegfried Kühn beobachtet soziale Zusammenhänge genau, seine Sicht der Wirklichkeit vermittelt er mit grotesken Elementen der Überhöhung, einer speziellen Farb-Schwarz-Weiß-Dramaturgie und der wilden Beatmusik der Puhdys. Die Rolle des Platow ist optimal besetzt mit Fritz Marquardt, der sich als Theaterregisseur einen Namen gemacht hat. Allerdings hatte es der poetisch-subversive Filmrealismus schwer: Kaum drei Monate nach "Die Legende von Paul und Paula" startete die feinsinnige Filmerzählung still und leise "“ ohne Premiere und ohne Rezensionen.

Prädikate / Auszeichnungen / Festivals
10. Festival des Mittel und Osteuropäischen Films "goEast", Wiesbaden 2010

 

Sonntag 06.05. 13.00 h Kronenkino, Zittau

 

 

Denk bloss nicht das ich heule

DDR 1965-1990 | 94 min

Regisseur: Frank Vogel  

Drehbuch: Manfred Freitag, Joachim Nestler

Kamera Günter Ost Musik Hans-Dieter Hosalla

Darsteller: Peter Reusse, Anne-Kathrein Kretzschmar, Hans Hardt-Hardtloff ,Harry Hindemith Helga Göring , Jutta Hoffmann, Herbert Köfer, Armin Mechsner , Horst Buder u.a.

Der Jugendliche Peter Naumann ist enttäuscht, enttäuscht von allen Erwachsenen. Kurz vor dem Abitur wird er aufgrund seines Aufsatzes zum Thema "Die Republik braucht dich, du brauchst die Republik" von der Schule verbannt, da seine Denkweise nicht mit den gewünschten Normen und Werten übereinstimmt. Peter ist ein manchmal trotziger Revolutionär, ein freier Denker, der sich gegen die Vertreter des Staates auflehnt. Als er Anne begegnet und lieben lernt, gerät er erneut in einen Konflikt mit dem System. Denn Annes Vater, ein eingefleischter Sozialist, kommt nicht mit Peters jugendlich-radikaler Denkweise klar und legt ihm viele Steine in den Weg. Doch Peter kämpft für seine Ideale. Anne unterstützt ihn gegen ihren eigenen Vater und kämpft für ihre Liebe. Am Rande seiner Kräfte stellt Peter immer noch seinen unumstößlichen Willen unter Beweis und gibt dem Film mit den Worten "Denk bloß nicht, ich heule" eine hartnäckig-bittere Note.

 

Prädikate / Auszeichnungen / Festivals
Internationale Filmfestspiele Berlin 1990 (Forum): Werkschau der Regalfilme, 23. Filmfestival Amiens 2003

 

Donnerstag 03.05. 15.00 h Kunstbauerkino 2, Großhennersdorf

 

 

Fräulein Schmetterling

DDR 1965-66 | 118 min

Regie: Kurt Barthel

Drehbuch: Christa Wolf, Gerhard Wolf, Kurt Barthel

Kamera: Hans-Jürgen Sasse, Claus Neumann Musik: Peter Rabenalt

Darsteller: Melania Jakubisková, Christa Heiser, Carola Braunbock, Milan Sladek, Herwart Grosse,  Rolf Hoppe u.a.

Christa und Gerhard Wolf hatten gemeinsam mit dem Regisseur Kurt Barthel die Geschichte des Fräulein Schmetterling aufgeschrieben. Ihr Drehbuch beginnt in einer Alt-Berliner Straße, zwischen Mietskasernen der Gründerjahre, vor deren Haustüren Gerümpelhaufen liegen, wie sie sich über Jahrzehnte auf Dachböden angesammelt haben. Bald wird dieses Viertel verschwunden sein, denn schon nähern sich die Abrissbagger. Aber noch spielt eine Gruppe von Kindern mit den Überbleibseln der Vergangenheit: einem Sessel ohne Beine, einem Schaukelstuhl, einem goldenen Bilderrahmen, einer alten Gardine, einem Zylinder, einem Schleier. Passanten bleiben stehen und lachen. Eine junge Frau kommt hinzu. Anmutig stellt sie sich auf die Zehenspitzen, ihre Füße lösen sich vom Boden, sie hebt ab in die Lüfte, schwebt durch die Häuserschlucht, hoch über der Stadt"¦
Ein poetisches Gegenwartsmärchen über das Lebensgefühl junger Leute, eine Parabel über den Ausbruch aus Enge und Normalität, über den Traum vom Glück. Erst im Juni 2005 fand die Erstaufführung des noch existierenden, rekonstruierten Filmmaterials statt.

 

Samstag 05.05. 10.00 h Kronenkino, Zittau

 

 

Lots Weib

DDR 1965 | 106 min

Regie: Egon Günther

Drehbuch: Egon Günther, Helga Schütz

Kamera: Otto Merz Musik: Karl-Ernst Sasse, Gesang: Ruth Hohmann

Darsteller : Marita Böhme, Günther Simon,Klaus Piontek, Gerry Wolff , Rolf Römer , Elsa Grube-Deister , Wolfgang Greese

Die Sportlehrerin und Trainerin Katrin Lot, Mutter zweier Kinder und verheiratet mit einem Offizier der Volksmarine, leidet Qualen, wenn ihr Mann am Wochenende nach Hause kommt. Das Ehepaar ist sich gleichgültig geworden. Heuchelei und Lügen - vor allem auch vor den Kindern, die allerdings über jeden Besuch des Vaters selig sind - haben wirkliche, echte Beziehungen zueinander zerstört. Deshalb drängt Katrin Lot nun auf die Scheidung. Doch ihr Mann lehnt die Scheidung ab. Vor allem aus Angst, sich in seiner Parteigruppe dafür rechtfertigen zu müssen, aber auch aus Liebe zu den Kindern und nicht zuletzt auch aus einer gewissen Bequemlichkeit heraus. Nachdem Katrin sich mit einem Anwalt beraten hat, sieht sie keine andere Möglichkeit mehr, mit der Scheidung durchzukommen, als eine strafbare Handlung zu begehen. In einem Kaufhaus stiehlt sie ein Kleidungsstück, lässt sich absichtlich dabei erwischen und wird zu drei Monaten Gefängnis mit Bewährung verurteilt. Richard Lot beantragt nun, weil er um seine Funktion und seine Respektabilität fürchtet, die Scheidung. Er will die Kinder behalten. Doch die werden im Scheidungsprozess der Mutter zugesprochen. Katrin ist frei - allerdings um einen teuren Preis: Sie hat ihre beruflichen Funktionen eingebüßt. Doch von nun an kann sie ohne Lügen und Heuchelei leben.

Prädikate / Auszeichnungen / Festivals
Prädikat: Wertvoll, Internationale Filmfestpiele Berlin 2002: Retrospektive

 

Donnerstag 03.05. 17.30 h Filmtheater, Ebersbach  

 

 

Arbeiterfamilie in Ilmenau

DDR 1977 | 20 min

Regie: Richard Cohn-Vossen

Der Film von Richard Cohn-Vossen wurde 1977 in der DDR nicht zur Aufführung freigegeben. Weitere Gespräche wollte die Studioleitung mit dem Regisseur nur führen, wenn er seine Unterschrift unter der Petition gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns zurücknehmen würde. Stattdessen stellte Richard Cohn-Vossen einen Ausreiseantrag und verließ 1979 die DDR. Cohn-Vossen konnte die Rohschnittfassung des Films in die Bundesrepublik schmuggeln und sie so vor ihrer Zerstörung bewahren. 2011 wurde die Kopie des Filmes durch die DEFA-Stiftung restauriert.
1977 gelangte eine geänderte und staatlich zugelassene Fassung PORZELLINER von Heinz Müller zur Aufführung.

Vor dem Hintergrund des Wandels von der Manufaktur zur industriellen Produktion von Haushaltsporzellan kommen Lebensstationen und Lebensansichten eines Arbeiters und seiner Frau zum Tragen. Der Film wirft unter anderem die Frage nach der Entfremdung von Arbeit durch die moderne Technik auf.

 

Samstag 05.05. 15.00 h Kunstbauerkino 1, Großhennersdorf